La Route des Grandes Alpes

Eine Reise in ein Land, dessen Sprache wir nicht einmal verstanden oder sprechen Franzosen wirklich nicht Englisch?
Anfang August brachen Hubi, mein Klassenkamerad aus alten Internatszeiten, und ich auf zu einer 2'000 km langen Reise nach Südfrankreich. Wir wollten nach Nizza und Cannes - ein uralter Jugendtraum von Hubi, der vor etwa 30 Jahren durch einen Motorradunfall von Hubi verhindert wurde. Naja, was lange währt… Hubi kam zu mir nach Allschwil und brachte seine Honda N700 mit, welche von meiner Freundin Nadja gleich Mickey Mouse getauft wurde. Meine manchen bereits bekannte Biene Maja (so wurde meine gelbe BMW getauft - natürlich ebenfalls von Nadja  ) scharrte bereits mit den Hufen…. Aber sie musste sich in Geduld üben.

Nach einer ruhsamen Nacht ging es dann am Samstagmorgen endlich los.

Unsere Tour bestand aus 7 Etappen, was sich als anstrengende Fehlplanung erwies, weil die Strecken mit je deutlich mehr als 300 km durch die französischen Alpen sehr viel mehr Kraft kosteten, als wir dachten. Dennoch haben wir jeden Kilometer über Asphalt oder Schotterpiste sehr genossen. Wir haben einen grossen Teil der Route des Grandes Alpes absolviert und ich muss sagen: es lohnt sich unbedingt. Die schroffe Welt ist mit der der Schweizer und Österreicher Alpen nicht vergleichbar. Die Bilder, die unsere Augen sahen und die alle nicht den Weg in die Kameras fanden, werden wir nicht vergessen.

Unsere Abschnitte waren:
- Allschwil - Verbier
- Verbier - Clavière
- Clavière - Nizza
- Nizza - Cannes (als Pausenzeit)
- Cannes - La Salle des Alpes
- La Salle des Alpes - Le Carroz d'Araches
- Le Carroz d'Araches - Allschwil

Die Tour bis nach Verbier führte uns durch uns bereits bekanntes Gebiet, daher nicht so spektakulär, dennoch angenehm und schön zum warmfahren. Von Verbier aus ging es Richtung Süden über Aosta und dann nach Westen Richtung Frankreich, wir wollten Bernhard unsere Aufwartung machen. Unterwegs das ein oder andere Wow-Erlebnis in Sachen Aussicht…

In La Thuile assen wir in einem wunderschönen kleinen Ristorante in einer Nebenstrasse ein Mittagessen, welches uns zum ersten Mal ernsthaft überlegen liess, hier zu bleiben. Aber wir mussten doch weiter, es lagen noch einige Kilometer vor uns.Da wir die Strecke bei mehreren Telefonkonferenzen am iPad ins Navigon nur nach Kurvenmenge einprogrammiert hatten, passierte, was passieren musste: wir kamen bei einer Strasse an eine Vollsperrung. Nicht verzagen, Navigon fragen: "He Jungs, biegt links ab und es gibt ne schöne kurvenreiche Strasse!". Also links abgebogen - hmmm Schotter - sollen wirs riskieren? Wir hatten bis dahin schon eine solche kleine Baustelle gemeistert, in Frankreich bleiben die Strassen auch in abgehobeltem Zustand gerne für den Verkehr frei, es kommt ja mal wieder Asphalt. Let's go…

Nach ein paar Kilometern, die Strasse blieb Schotter, und wir mussten immer häufiger lachen, da wir uns langsam am Ende der Welt wähnten, kreuzte ein Bach unseren Weg.
Was tun? Auf diesem Weg mit unseren (Strassen-) Motorrädern...  ? OK, aber zum ersten und letzten Mal! Und hier fiel sie dann, DIE Entscheidung...  Eine GS muss her!
Wir meisterten auch diesen Fluss und nachdem uns ein freundlicher Franzose auf Englisch erklärte, dass wir auf der geplanten Route keine Chance haben, schauten wir erst mal ratlos. Der nette Herr wusste Rat: wir sollten doch nach einigen Kilometern lieber links abbiegen und auf einer verbotenen, aber wenigstens zu bewältigenden Strasse weiterfahren. Während er uns das erklärte, fuhren etwa fünf offroadtaugliche Jeeps an uns vorbei - er wusste wohl, wovon er sprach. Wir taten, wie uns geheissen und kamen irgendwann auch endlich wieder auf Asphalt. Es war ein herrlicher Ritt! Wir nahmen uns dann auch noch den Col de l'Iseran zur Brust und nach einer wunderbaren alpinen Strecke erreichten wir Clavière und unser Hotel.

Nach einer sehr angenehmen Nacht starteten wir am nächsten Tag auf die 'Hubi, Dein Traum soll sich heute erfüllen'-Tour. An diesem Tag wollten wir Nizza erreichen, das Hotel (wie alle auf dieser Tour) war reserviert, Meerblick mit gutem Wetter lautete die Reservation, also konnte es losgehen. Es war eindrucksvoll… Etwa auf halber Strecke führen wir hinauf zum Col de la Bonette und - nach mancher Pinkelpause - genossen die Aussicht. Mann, was haben wir da 'ne gewaltige Leistung vollbracht… 2'800m über Meer - gewaltig…. Dann drehten wir uns um und … Shit!
Da gibt’s welche, die vollbringen wirklich ne Leistung: ein Fahrradfahrer las sich in Ruhe die Tafel durch… Ok, komm Hubi, fahren wir weiter... so erreichten wir also etwas ernüchtert am späteren Nachmittag Nizza bei schönstem Wetter. Hier erlebten wir den einzigen Frust der ganzen Reise, unser Zimmer war nicht mehr frei…. Ich erzähl nicht gross weiter, wir blieben für deutlich weniger Geld im Hotel, schrieben diese Etappe zimmertechnisch aber ab.

Am nächsten Tag ging es dann die wenigen Kilometer nach Cannes, in brütender Hitze und wir genossen einen Erholungstag….. mit bester Sicht….

Der nächste Tag startete mit Regen, mehr als heftig und so fuhren wir erst gegen Mittag, dennoch guter Dinge, los.Und auf der Tour sahen wir das absolute Highlight, sowohl in Sachen Strecke als auch Aussicht.Zwischen Daluis und Guillaumes, es mögen Luftlinie etwa 100km nördlich von Cannes sein, begann eine absolut geniale Strecke, dem "Var" entlang, vorbei an einem Kupferabbaugebiet. Fotos können es nicht beschreiben, so schön war es. Die Strassenführung war dadurch interessant, dass sich die Fahrbahn immer wieder teilte und, während die eine Fahrtrichtung durch einen kleinen Tunnel führte, fuhr man in der anderen Richtung um den Tunnel herum. Wer mal dort herumreist, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen.Der Tag endete in einem sehr interessanten Hotel, bei dem uns besonders der Empfangsbereich imponierte.

Auch die Strecke des nächsten Tages führte uns immer wieder in luftige Höhen und über Strassen, die übersät sind mit Namen und Anfeuerungen aller möglichen Velorennfahrer.Und auch der Mont Blanc zeigte sich dann doch noch…. seinem Namen alle Ehre machend. Hier entstand dann auch das Foto, welches Hubi zu einem einfachen, gleichwohl sehr sinnigen Ausspruch inspirierte, der in Facebook Verewigung erfuhr: kleiner gelber Mann vor grossem weissem Berg... Ach, und bevor ich es vergesse, schon an dieser Stelle: ich danke ihm, Hubi, für diese grossartige Reise! Und es hat sich erneut bewahrheitet, was man hin und wieder so einfach dahin sagt und was sich mir auch dieses Mal bewahrheitet hat: ein wahrer Freund ist mit Gold nicht aufzuwiegen! Wir landeten an diesem vorletzten Reisetag dann in einem eher kleinen Ort, Le Carroz d'Araches.
Eher unscheinbar schien es uns. Aber das Hotel, das letzte, in dem wir auf dieser Reise eine Bettstatt fanden, das hat uns dann vollends umgehauen. Ein grosses, schönes Holzhaus mit wunderschönen Zimmern und einem Ambiente, welches es uns nicht leicht machte, am nächsten Tag abzufahren. Der Name: Hôtel Les Servages d'Armelle.

Dennoch mussten wir los und fuhren, des Regens wegen, unspektakulär über die Autobahn wieder zurück nach Hause. Und was meinte der Verfasser mit dem (Unter-) Titel? Nun, Hubi und ich besuchten die Schule in der Mitte der damaligen Bundesrepublik und die französische Sprache stand dort nicht wirklich auf dem Lehrplan. So sind wir bezüglich der dort gültigen Sprache echte Nieten. Aber! Restlos alle Franzosen, mit denen wir unterwegs sprechen durften oder mussten, haben sich alle erdenkliche Mühe gegeben mit uns in der einzigen uns zur Verfügung stehenden Fremdsprache, eben Englisch, zu kommunizieren und das rechnen wir diesen Galliern hoch an, die immer sehr freundlich und zuvorkommend waren!

Euer BMW-Man Andreas

PS: über nachfolgenden Link könnt Ihr Euch ein kurzes Video der Tour ansehen: La Route des Grandes Alpes

Autor:  Andreas Theis
Bilder: Andreas Theis